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Der ökumenische Kirchentag in Berlin 2003 hat zu einiger Mißstimmung im ökumenischen Verhältnis zwischen katholischer und evangelischer Kirche geführt und gipfelte in der Suspendierung der katholischen Geistlichen Kroll und Hasenhüttel. Ein Ereignis zu dem auch aus biblischer Sicht einiges zu sagen ist.
Öl in die Flammen zu gießen ist dabei sicher nicht der richtige Weg, - eher Nachdenklichkeit.
Evangelium nach Matthäus:

14,22 Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren, bis er das Volk gehen ließe. 14,23 Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein. 14,24 Und das Boot war schon weit vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. 14,25 Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See. 14,26 Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst! und schrien vor Furcht. 14,27 Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht! 14,28 Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser. 14,29 Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. 14,30 Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir! 14,31 Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? 14,32 Und sie traten in das Boot, und der Wind legte sich. 14,33 Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder
und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!


Eine seltsame, schwer zu glaubende Geschichte über zwei Leute,die auf dem Wasser gegangen sind.

Da schickt Jesus seine Jünger auf ein Boot, damit sie mal eine gewisse Zeit ohne seine körperliche Anwesenheit das Ruder in die Hand nehmen und ein bißchen Eigenverantwortlichkeit vor Gott und der Welt üben. Ist dies nicht die Situation in der sich die christliche Kirche auch heute befindet? Da sitzen in die Jünger Jesu, also bildlich gesehen die verschiedenen Konfessionen einem Boot, das die Christenheit repräsentiert. Sie versuchen mehr oder weniger gemeinsam oder gegeneinander den richtigen Weg durch das Meer der Zeit zu finden und es bläst ihnen der kalte Wind der Welt und des Alltags entgegen. Jeder hat Angst, in erster Linie natürlich um sich selbst, und jede dieser Konfessionen glaubt, daß nur sie die Christenheit vor dem Untergang retten könne.

Dabei vergessen alle Jesus, der aber doch auf sie zukommt und ihnen zeigt, daß man die Panik, die zu unüberlegten Handlungen und zum Streit untereinander führt, überwinden kann, indem man über das Wasser dieser Welt geht und in treuem Glauben gemeinsam miteinander arbeitet. Soweit die Situation der verschiedenen konfessionellen Christen der letzten Jahre.

Da erkennt Petrus, daß durch den Glauben an Jesus, nicht nur das Boot zu retten ist, sondern daß man über seinen eigenen Schatten springen, geradezu auf dem Wasser gehen kann. Er wagt den Versuch, wirft alle Bedenken über Natur-, Menschen- und Kirchengesetze, derentwegen Jesus so oft Debatten mit den Pharisäern führen mußte über Bord und geht Jesus auf dem Wasser entgegen. Auf unsere Zeit übertragen, wagt es die katholische Kirche ein zweites Vatikanisches Konzil zu halten. Papst Johannes Paul II wagt es sogar, im Vertrauen auf Jesus, alte überkommene Kirchengesetze über Bord zu werfen, er setzt die Beschlüsse des zweiten Konzils in die Tat um, tut Buße für die Fehler seiner Vorgänger und sucht Versöhnung und Liebe zu den anderen Konfessionen.

Aber – dann kommt es zum ersten ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003. Da halten zwei katholische Geistliche, beseelt von der Liebe des heiligen Geistes Tischgemeinschaft mit anderen christlichen Konfessionen um ein Zeichen der Versöhnung zu setzen. Da kommen dem Petrus, sprich dem Papst Zweifel: Es wurden Kirchengesetze, Menschengesetze übertreten! Und schon glaubt er, daß der entgegenkommende Jesus nicht Jesus, sondern ein "Gespenst", ein Irrglaube, eine Täuschung, eine Fiktion sei. Und schon verliert Petrus, sprich Papst Johannes Paul, den Glauben an Jesus und er beginnt im Wasser dieser Welt zu sinken. Die überwunden geglaubte Panik kehrt zurück, mächtiger als je zuvor! Suspension vom Amt für die beiden mutigen, gläubigen Kirchendiener, die er zu modernen Märtyrern des Christentums macht.

Die Situation scheint aussichtslos, deshalb schreit Petrus: "Herr, hilf mir!" – Laßt uns hoffen, daß Johannes Paul genauso zum Herrn schreit. Er wird ihn auch genau so retten und ihm die Hand entgegenstrecken wie Petrus.

Ein Gedanke zwischendurch: Sehen Sie nicht verächtlich auf Petrus oder Papst Johannes Paul II herab. Versuchen Sie erst mal selbst auf dem Wasser dieser Welt zu laufen, das ist gar nicht so einfach.

– Fragen Sie nur die zwei Märtyrer, auch sie sind sicher nicht davor gefeit zu sinken, auch sie kennen schwere Stunden. Und die anderen Jünger im Boot der Christenheit? Die Protestanten, Anglikaner, Orthodoxen, Kopten, usw.? Die haben es auch nicht gewagt sich so weit aus dem Fenster zu lehnen, daß sie herausfallen könnten, oder – um bei unserer Geschichte zu bleiben, sie haben sich nicht auf die hohen Wellen gewagt, in denen sie jämmerlich ertrinken könnten. Und vergessen Sie ein Weiteres nicht, im Boot saßen nicht nur Jünger wie die Evangelisten Matthäus und Johannes, sonder auch Jünger wie Judas Iskariot.

Jesus rettet schließlich den um Hilfe bittenden Petrus und kehrt mit ihm ins Boot der Christenheit zurück, der Wind legt sich, das Meer beruhigt sich und sich die Christenheit beugt sich einmütig vor Jesus, dem Herrn, dem wahrhaftigen Sohn Gottes. Wie gesagt sie fallen vor Jesus, dem Christus nieder, nicht vor den menschengemachten Kirchengesetzen und Dogmen.

Wollen wir hoffen, daß Papst Johannes Paul wie Petrus zu Jesus schreit: Herr hilf mir!

Ich jedenfalls stimme mit in den Schrei Petri ein:
"Herr hilf uns!
Zieh uns aus dem falschen Fahrwasser der Rechthaberei, der Lieblosigkeit!
Hilf uns in unserer Kleingläubigkeit!
Sei bei uns!
Zeige uns den rechten Weg!
Führe du uns auf den Weg zum rettenden Ufer,
nach Hause,
zu Gott unserem Vater!
Amen!!"