Ökumene und friedensbildende Maßnahmen und Überlegungen im Nahen Osten und Israel in Form eines Offenen Briefes an Ariel Scharon.

Hermann Kopp
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An Herrn Ministerpräsident
Ariel Scharon
Tel Avif

Israel

02. April 2002


Offener Brief hinsichtlich friedensbildender und stabilisierender Maßnahmen in Ihrem Land


Sehr geehrter Herr Scharon.

Die Geschichte, des heutigen, modernen Israel währt jetzt mal gerade etwa eine gute Menschengeneration. Der Wiedereinzug von Gottes Volk in ihr von jeher verhießenes Land gestaltet sich aber bis in die Gegenwart mehr als nur problematisch.

Intensivste Bemühungen der jüdischen und palästinensischen Politiker, weltweite diplomatische Anstrengungen und militärische Aktionen haben die Situation der dort lebenden Menschen nicht bessern können. Im Gegenteil – die politische und soziale Situation erscheint heute auf dramatische Art gefährdeter denn je.

Wie bei keinem anderen Volk dieser Erde ist die Geschichte der Kinder Israel aufgezeichnet und nachvollziehbar. Wenn das Volk Israel oder überhaupt die Menschheit aus der Geschichte etwas lernen kann, so aus den alten Aufzeichnungen dieses Volkes, die auch uns Christen, zumindest teilweise im "Alten Testament", zugänglich sind.

Wie zwei rote Fäden ziehen sich durch die gesamte Historie dieses Volkes zwei Tatsachen. Erstens ging es Ihrem Volk immer dann gut, wenn es sich mitsamt seinen politischen und geistlichen Führern an die Gebote Gottes gehalten hat. Und zweitens immer dann schlecht, wenn es dies nicht tat.

Ich habe vor ein paar Jahren Ihr Land besucht und habe seitdem die Nachrichten aufmerksam verfolgt. Die Menschen in Ihrer Region werden in erster Linie von Haß und Angst regiert. Die Gebote Gottes sind bei den politischen, militärischen, wirtschaftlichen und sozialen Entscheidungen nach meinem Dafürhalten grundsätzlich nachrangig befolgt worden. Dies ist die klassische Situation in der Gott zu allen Zeiten dem Volk seinen Segen entzog.

Insbesondere fielen mir beim vergleichendem Studium Ihrer Geschichte und Ihrer gegenwärtigen Politik zwei Kardinalsünden auf:

Erstens: Es besteht das Gebot Mose, daß kein Israeli einen Fremdling im Land bedrücken darf. Betrachtet man das Verhältnis der beiden in Israel lebenden dominierenden Völker, so erkennt man, daß das israelische Volk tagtäglich dieses ihm aufgetragene Gebot im öffentlichen, privaten, religiösem und sozialem Bereich mißachtet. (Man kann es umgekehrt natürlich auch so betrachten) Auch wenn Vorurteile, Haß und Rachegefühle häufig die gefühlsmäßig nachvollziehbare Motivation dazu liefern, so bleibt dieser Umstand dennoch vor Gott ohne Entschuldigung.. Gott legt auch offensichtlich ganz besonderen Wert auf die Einhaltung dieses Gebotes, da er, anders als bei vielen anderen Weisungen, dieses Gebot extra begründet. "Denke an deine eigene Fremdlingsschaft in Ägypten".

Zweitens: Einer Ihrer letzten bedeutenden Propheten, Hesekiel (Ezechiel), hat eine klare Botschaft von Gott verkündet:

47,21 Und ihr sollt dies Land austeilen unter die Stämme Israels,
47,22 und wenn ihr das Los werft, um das Land unter euch zu teilen, so sollt ihr die Fremdlinge, die bei euch wohnen und Kinder unter euch zeugen, halten wie die Einheimischen unter den Israeliten; mit euch sollen sie ihren Erbbesitz erhalten unter den Stämmen Israels,
47,23 und ihr sollt auch ihnen ihren Anteil am Lande geben, jedem bei dem Stamm, bei dem er wohnt, spricht Gott der HERR.

Diese göttliche Anordnung ist meines Wissens weder in der Vergangenheit noch in der Geschichte des heutigen Staates Israel bislang ernsthaft in Erwägung gezogen worden.

Sie halten ein Ansinnen diese Gebote in der aktuellen Politik einzubinden für naiv und unrealistisch? – Gegenfrage: "Halten Sie es für professioneller und realistischer politisch/militärische Strategien über Jahrzehnte hinweg erfolglos, zum Schaden aller in Ihrer Region lebender Menschen inklusive des eigenen Volkes, fortzusetzen?

Ich denke ein Umdenken bei der zunehmend instabiler werdenden politischen und militärischen Lage tut Not. Wäre ein in Koexistenz lebendes Israel/Palästina, in dem alle Bürger am Aufbau des Landes mitarbeiten, keine Vision, die eine neue Politik rechtfertigen würde? Stellen Sie sich eine Politik der Gleichberechtigung, des fairen Umgangs, der gehaltenen Verträge, des Friedens in Ihrem Lande vor und sehen Sie die Vorbildfunktion des von Gott erwählten Volkes für den gesamten Nahen Osten und alle monotheistischen Kulturen - in einem Staat, in dem dann tatsächlich Milch und Honig und nicht mehr Blut und Tränen fließen

Auf der gegenwärtigen Politik liegt jedenfalls kein Segen.

Ich wünsche Ihnen und allen Menschen guten Willens Frieden

Mit freundlichen Grüßen





Hermann Kopp