Íkumene Kirche Gott Jesus Christus Zielgruppen

Zielgruppen:
Kirchliche Aktivitäten orientieren sich heute gerne an "Zielgruppen". Diese Gedanken beschäftigen sich mit der Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, sich dem Einzelmenschen wieder mehr zuzuwenden.
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Um wen oder was geht es eigentlich in unseren christlichen Kirchen?

Hört man die offiziellen Verlautbarungen der Bischöffe, Kardinäle, Parrer und Gemeindevorstände,
so scheinen folgend Themen im Vordergrund zu stehen:
Jugendarbeit, Freizeit, Moral, Kirchenaustritte, Mitgliederzahl, Kirchensteuer, caritative Arbeit,
Arbeitslosigkeit, Priesterausbildung, Missionierung, Katastrophenhilfe, Entwicklungshilfe,
innerkirchliche Hierarchiedebatten, oekumenische Meinungsverschiedenheiten und so weiter.

Der Themenkatalog läßt sich noch beliebig fortsetzen. Aber man kann ihn zusammenfassen als
Themen, die immer wieder und überwiegend Gruppen betreffen. Gruppen wie "die Jugendlichen",
"die Arbeitslosen", "die Kirchensteuerzahler", "die Laien", usw.

Nur ganz ausnahmsweise wird der Einzelne in den Mittelpunkt des kirchlichen Interesses gestellt. Ist
das nicht seltsam?

Eine weitere Tatsache ist mindestens genauso denkwürdig:

Viele Jugendliche und junge Erwachsene finden die Person Jesu Christi spannend und fühlen sich
von ihm angezogen, andererseits haben genau diese Menschen eine ablehnende Haltung gegenüber
den christlichen Kirchen.

Woran liegt es?

Ich denke, dafür gibt es verschiedene Gründe. Einen, wie ich meine wichtigen Grund, will ich
herausgreifen. Es ist der Wunsch der Menschen sich zu bestimmten Gelegenheiten in der Masse zu
verstecken und bei anderen Gelegenheiten, nämlich denen, die ihnen wichtig sind, ganz individuell
behandelt zu werden, z.B. beim Arzt, beim Anlageberater, beim Haus- oder Autokauf, beim Frisör
usw. - So wichtig es sein mag, daß die Kirchen sich der Probleme der Massen annimmt, so sehr
muß sie sich fragen, ob sie - die Kirche - nicht eine "Gelegenheit" der zweiten Art ist. Ob sie ihr
Hauptaugenmerk mehr auf das Individuum lenken muß?

Ein biblisches Beispiel:
Johannes Evangelium 19,26:
Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabeistehen, den er lieb hatte, spricht er zu
seiner Mutter: "Weib, siehe, das ist dein Sohn."
Es ist doch fast nicht mehr zu fassen. Da hängt einer unter großen Schmerzen am Kreuz (das ist ja
immerhin ein zu Tode gefoltert werden) und denkt und kümmert sich um einzelne Menschen. Er
zeigt, noch in seiner Todesstunde, um wen es ihm geht. Es ist als wollte er sagen: "Es geht mir um
den einzelnen Menschen. Es geht mir um dich!"

Im politischen, wirtschaftlichen und zum Teil auch kirchlichen Leben ist es umgekehrt. Da ist die
Masse wichtig, - die Ordnung, der Friede, der Wohlstand, das Seelenheil der Masse. Der Einzelne
hat daneben nur wenig Bedeutung. Das Volk ist alles - der Einzelne nichts!

Im Reich Gottes ist es aber ganz anders, wie uns Jesus zeigt. Da geht es Jesus um Maria, um
Johannes, um Dich und um mich.

Als Jesus starb, sah er nicht nur die Menschen, die unter seinem Kreuz standen, sondern alle Völker
seiner Gegenwart, der Vergangenheit bis in die Zukunft hinein, bis an das Ende aller Tage. Er sah
auch Dich und mich. Er wollte für jeden einzelnen der Erlöser sein.

Interessanterweise hat nur Johannes von dieser Begebenheit berichtet. Den anderen Evangelisten
scheint diese Geschicht nicht wichtig gewesen zu sein. Ihnen geht es, wie mir scheint, ähnlich unseren
heutigen "Kirchenoberen". Aber das ist nur zu verständlich, schließlich war es Johannes, der unter
dem Kreuz stand und es ganz persönlich erleben durfte, daß es Jesus um ihn ging. Er hat es
persönlich beglückend erlebt: "Der Heiland dieser Welt hat noch sterbend mich angesehen und sich
um mich gekümmert!"

Ich denke es ist eine der vornehmsten Aufgaben der christlichen Kirchen, dieses beglückende
Erleben der ganz individuellen Beziehung Jesu zu jedem Einzelnen zu vermitteln.

Das ist übertrieben! - Meinen Sie?

Lassen Sie mich eine Frage stellen:
In meiner eigenen Konfession leidet die Kirche unter leereren Kirchen, unter immer schwächer
besuchten Gottesdiensten. Nach der Konfirmation kommen die jungen Leute nur noch ganz selten
zum Gottesdienst. Aber - und das ist doch erstaunlich - ein großer Prozentsatz kommt dann doch
irgendwann wieder, nämlich um sich kirchlich Trauen zu lassen. Genau diese Leute, die mit der
Kirche nichts am Hut haben wollten, all die Jahre, sie wünschen sich eine Kirchliche Hochzeit.

Warum?

Sicher, sie haben recht, Nostalgie und Romantik spielen keine unwesentliche Rolle, aber - bei einer
Hochzeit wird das Paar ganz individuell von der Kirche behandelt, sie stehen im Mittelpunkt des
kirchlichen Interesses.
Bei Beerdigungen ist es übrigens genauso.
Wie soll das gehen?

Sind unsere armen Pfarrer und Priester, die Bischöfe, Kardinäle, Päpste nicht überfordert, wenn sie
auf jeden einzelnen zugehen sollen? Das Leben besteht doch nicht nur aus Hochzeiten und
Beerdigungen.

Wir sollten voneinander lernen:
Da gibt es Laien, die sich gerne engagieren in Besuchsdiensten. Die zeigen "Ich, Jesus, denke an
dich!"
Da gibt es Kirchen die ganztags auch an Wochentagen geöffnet sind. Die sagen "Du, mein liebes
Kind, bist jederzeit bei mir willkommen!"
Da hängen ewige Lichter in den Kirchen, die sagen: "Ich dein Gott und Vater bin immer und auf
ewig für dich da."
Da gibt es Gelegenheiten zur persönlichen Beichte. Die zeigen: "Du bist wichtig. Ich will, daß du ein
erlöstes Leben führen kannst."
Da gibt es Weihwasserkesselchen, die spüren lassen: "Meine Taufe gilt auch heute noch. Ich bin
Gottes geliebtes Kind"

Es gibt wirklich viele Möglichkeiten, und die ohne großen Aufwand. Der Phantasie sind kaum
Grenzen gesetzt, wie die Kirchen ihren Mitgliedern klar machen können:
"Er hat dich angesehen, du bist ihm wichtig, er liebt dich!"

Ich bin mehr als nur Wähler, mehr als nur Steuerzahler, mehr als nur Konsument, mehr als nur
Erblasser, mehr als nur Arbeitstier.

Die Botschaft der Kirchen muß lauten:
"Du bist Gottes geliebtes Kind!"
Und das gilt es mitzuteilen mit allen Möglichkeiten, die diese riesigen und eigentlich hochpotenten
Organisationen, die Kirchen auch heute noch darstelen, zur Verfügung stehen.